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Erste Hilfe

Für den Ernstfall: Richtig Erste Hilfe leisten

Im Ernstfall muss ein Defibrillator zur Wiederbelebung angewendet werden.
Bild: , (C) VMM
Im Ernstfall muss ein Defibrillator zur Wiederbelebung angewendet werden.

In Notsituationen kann Erste Hilfe leisten Leben retten. Daher ist es wichtig zu wissen, welche Handlungen und Handgriffe im Ernstfall sitzen müssen.

Ilaria Wollek

Ein heißer Sommertag mit über 30 Grad und die Hitze staut sich in der engen Innenstadt gnadenlos auf. Der ältere Herr an der Bushaltestelle scheint die Sonne nicht gut zu ertragen und kollabiert plötzlich. Jetzt ist die Hilfe der umstehenden Passanten gefragt, doch es herrscht Unsicherheit. Wer muss überhaupt helfen und wie leistet man richtig Erste Hilfe?

Thomas Haugg ist Kreisgeschäftsführer des Bayrischen Roten Kreuzes (BRK) Augsburg-Land und hat solche Notsituationen schon oft miterlebt. „Es besteht eine gesetzliche Verpflichtung Erste Hilfe zu leisten“, weiß er. „Natürlich kann man zum Beispiel von einem Nichtschwimmer nicht erwarten, jemanden aus dem Wasser zu retten und sich selbst zu gefährden. Mit einem Anruf beim Notdienst oder der Polizei ist jedoch theoretisch schon die Erste Hilfe erledigt.“ Damit im Ernstfall neben dem Notruf auch noch weitere Hilfemaßnahmen eingeleitet werden können, ist es wichtig zu wissen, wie man richtig Erste Hilfe leistet. Oftmals ist der Erste-Hilfe-Kurs jedoch schon eine Weile her und viele sind sich unsicher, wie in Notsituationen konkret geholfen werden kann.

Schritt für Schritt: Richtig Erste Hilfe leisten

„Einfach gesagt muss ich Erste Hilfe leisten, wenn ich sehe, dass jemand gerade Hilfe braucht“, erklärt Herr Haugg vom BRK. „Das kann zum Beispiel sein, wenn sich ein Kind im Freibad verlaufen hat oder jemand sich in den Finger geschnitten hat. Dann bedeutet Erste Hilfe leisten dem Kind zu helfen seine Eltern wiederzufinden oder ein Pflaster für die Wunde des Betroffenen zu organisieren“, führt der Kreisgeschäftsführer weiter aus. Leider sind die Hilfemaßnahmen nicht immer so leicht umzusetzen. Im Ernstfall bedeutet Erste Hilfe auch größere Wunden zu versorgen und die stabile Seitenlage anzuwenden.

In seltenen Fällen muss die betroffene Person sogar mithilfe einer Herzdruckmassage oder durch die Anwendung eines Defibrillators wiederbelebt werden. „Als erster Schritt sollte immer geprüft werden, ob die Person noch ansprechbar ist “, weiß Thomas Haugg. „Am einfachsten ist es, sich mit einem Händedruck vorzustellen. So bemerken Ersthelfende schnell, ob sich jemand noch bewegen oder verständigen kann.“ Ist die betroffene Person nicht mehr ansprechbar, gibt es Anweisungen denen Ersthelfende folgen sollten. „In der Regel führe ich dann eine Pulskontrolle am Hals durch. Hierfür mit zwei Fingern vorsichtig und für mindestens 10 Sekunden den Puls am Hals erfühlen“, erläutert Haugg. „Kann bei der betroffenen Person keine Atmung festgestellt werden, sollten Ersthelfende eine Wiederbelebung einleiten. Das sind jedoch Grenzfälle.“

Das können Ersthelfende tun:

  • Einen Überblick verschaffen: Wie viele Verletzte gibt es, sind die verletzten ansprechbar oder bewusstlos?
  • Unfallstelle absichern: Bei einem Autounfall Warnblinker einschalten, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen
  • Rettungsgriff anwenden, wenn eine verletzte Person aus einem Fahrzeug geborgen werden muss
  • Notruf wählen: 112 wählen oder auf Autobahnen eine Notrufsäule am Straßenrand nutzen. Die fünf W-Fragen beantworten. Wo ist was passiert, wie viele Verletzte gibt es, welche Art von Verletzungen haben sie. Anschließend auf Rückfragen der Notrufzentrale warten.
  • Weitere Erste Hilfe leisten. Blutungen stillen, stabile Seitenlage anwenden oder Herzdruckmassage mit Beatmung ausführen

Wie können Blutungen schnell gestoppt werden?

„Es kommt drauf an wo die Wunde ist und wie stark sie blutet“, erläutert der erfahrene Rettungsassistent. „Oft reicht es aus, das Körperteil hochzuhalten und die Wunde abzudrücken.“ Einmalhandschuhe, Druckverband und Druckpolster befinden sich im Erste-Hilfe-Koffer. Laut Thomas Haugg, sollte die Blutung vor allem schnell verbunden werden. Wie eine Blutung Schritt für Schritt gestillt werden kann, lernen Ersthelfende aber im Erste-Hilfe-Kurs. Nasenbluten und Hitzekollaps können gerade im Sommer häufig vorkommen. „Bei starkem Nasenbluten ist es wichtig, den Kopf nach vorne zu beugen, um das Blut ablaufen zu lassen“, erklärt Haugg. „Damit die Blutung schnell gestoppt werden kann, sollten Betroffene für etwa 10 Minuten die Nasenflügel mit den Fingern zusammendrücken.“

Wer im Sommer lange in der Sonne steht und zu wenig trinkt, kann unter Umständen einen Hitzekollaps erleiden. Die ohnmächtige Person bringen Erste-Hilfe-Leistende dann am besten in die stabile Seitenlage. „So stellt man sicher, dass Erbrochenes und Blut richtig abfließen kann und nicht in die Atemwege gelangt“, weiß Thomas Haugg.

Richtig Erste Hilfe leisten: Alle drei Jahre das Wissen auffrischen

Um in Notsituationen helfen zu können empfiehlt Thomas Haugg, die eigenen Kenntnisse mit dem Erste-Hilfe-Kurs alle drei Jahre wieder aufzufrischen. Nicht nur weil viele Handgriffe und Abläufe vielleicht in Vergessenheit geraten sind, sondern auch weil sich die Lehrmeinung zu Hilfemaßnahmen immer wieder ändert. „Die stabile Seitenlage oder wie Verbände richtig angelegt werden, kann man auch ganz bequem Zuhause mit Familienmitgliedern oder Freunden üben“, rät Haugg. Die Herzdruckmassage und andere lebensrettende Kenntnisse lernen Bürger:innen aber beim Erste-Hilfe-Kurs. Dafür können sich Interessierte einfach auf der Anmeldeseite des BRKs für einen Kurs eintragen. Thomas Haugg betont: „Natürlich muss man Zeit und Interesse mitbringen, aber es lohnt sich!“