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Herz-Kreislauf-Forschung

Undichte Herzklappe - gibt es bald einen neuen Weg der Behandlung?

Eine neue Studie untersucht ob Patienten mit einer undichten Trikuspidalklappe von einer Katheter-gestützten Reparatur der Klappe profitieren. Foto: fivepointsix, stock-adobe.com
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Eine neue Studie untersucht ob Patienten mit einer undichten Trikuspidalklappe von einer Katheter-gestützten Reparatur der Klappe profitieren. Foto: fivepointsix, stock-adobe.com

Schreck: Da ist wieder der Druck in der Brust und man ist schlapp - das können Symptome für eine undichte (insuffiziente) Herzklappe sein.  Wissenschaftler erforschen nun eine neue Methode zur Behandlung einer undichten rechten Klappe. Ist sie ein zukünftiger Weg?


Bei Herzkrankheiten nennt der Arzt meist Fachbegriffe, die man sich erst einmal klar machen muss. So beispielsweise wenn es um die Herzklappen geht. Unser Herz hat eine rechte und eine linke Hälfte. Jede davon hat wiederum eine Segelklappe auch Atrioventrikularklappe genannt und eine Taschenklappe, im Fachbegriff Semilunarklappe bezeichnet.

Zwischen Vorhof und Kammer liegen die Segelklappen. Sie nennt man im Fachjargon Bikuspidalklappe oder Mitralklappe (links) und Trikuspidalklappe (rechts). Die Taschenklappen dagen liegen jeweils zwischen Kammer und Ausstromgefäß und heißen Pulmonalklappe (rechts) und Aortenklappe (links). (Quelle Wikipedia) 

Im Folgenden geht es nun speziell um die Trikuspidalklappe. Ob Patientinnen und Patienten von einer Katheter-gestützten Reparatur dieser Herzklappe profitieren können, wenn sie undicht (insuffizient) ist, das erforscht nun eine neue Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Es ist das größte nationale Zentrum zur Erforschung von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems. Sein Ziel ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnellstmöglich in den klinischen Alltag zu überführen. Geleitet wird die Studie von Wissenschaftlern am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

Was wird in der Studie zur insuffizienten Herzklappe untersucht?

Eine insuffiziente Trikuspidalklappe ist eine schwere und fortschreitende Erkrankung. Oft führt sie zu einer zusehenden Verschlechterung des klinischen Zustandes. Bis vor Kurzem konnte man die Herzklappe ausschließlich mit herzchirurgischen Operationsverfahren behandeln.  Erst während der letzten Jahre sind minimal-invasive Behandlungsmethoden mittels Herzkathetertechnik verfügbar. Über einen kleinen Schnitt in der Leiste schiebt der Arzt einen Katheter über die Vene bis zum Herzen vor, wo er die Klappe dann mithilfe spezieller Systeme reparieren kann.

Ist der Eingriff bei der undichten Trikuspidalklappe besser wie medikamantöse Therapie?

Die DZHK-Studie  mit dem Namen "TRICI-HF-DZHK24" ist die erste multizentrische Studie, die, unabhängig von der Industrie,  für mehrere solcher Katheter-gestützten Systeme überprüft, ob dieser Eingriff den Patienten Vorteile bringt, verglichen mit einer rein medikamentösen Therapie. Dafür beurteilen die Wissenschaftler über einen Zeitraum von 12 Monaten nach dem Eingriff, wie viele Patienten überleben und ob eine Krankenhauseinweisung aufgrund von Herzschwäche notwendig wird. 


Wie äußert sich eine insuffiziente Trikuspidalklappe?

Eine insuffiziente Trikuspidalklappe kann der Körper über einen längeren Zeitraum tolerieren, anfängliche Beschwerden sind eher unspezifisch, die Patienten fühlen sich müde und abgeschlagen. Auf Dauer kann sich durch den Klappenfehler eine Rechtsherzschwäche entwickeln, dann treten zum Beispiel Wassereinlagerungen in den Beinen und der Lunge auf, und die Patienten sind schon im Alltag weniger belastbar.

Prof. Dr. med. Jörg Hausleiter, Stellvertretender Klinikdirektor, Medizinische Klinik und Poliklinik I, LMU Klinikum München Foto: LMU Klinikum München
Bild: LMU Klinikum München
Prof. Dr. med. Jörg Hausleiter, Stellvertretender Klinikdirektor, Medizinische Klinik und Poliklinik I, LMU Klinikum München Foto: LMU Klinikum München

Wie wird eine Rechtsherzsschwäche bislang behandelt?

Bisher gibt es nur wenige Medikamente, um eine solche Rechtsherzschwäche zu behandeln. Dazu gehören entwässernde Medikamente (Diuretika). Sie lindern die Beschwerden, können das eigentliche Problem aber nicht lösen. Auch herzchirurgische Optionen sind problematisch, denn mit einer fortgeschrittenen Rechtsherzschwäche, steigt das OP-Risiko. „Weltweit liegt das Risiko an einer Operation der Trikuspidalklappe zu versterben bei zehn Prozent“, berichten die Studienleiter Professor Dr.  Jörg Hausleiter und Privatdozent Thomas Stocker vom LMU Klinikum München. „Viele Patienten werden deshalb erst gar nicht operiert, dies ist ein großes Problem.“

Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Stocker, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, LMU Klinikum München Foto: LMU Klinikum München
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Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Stocker, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik I, LMU Klinikum München Foto: LMU Klinikum München

Wie arbeiten die neuen Katheter-gestützten Techniken beim Abdichten der Trikuspidalklappe?

Die neuen Katheter-gestützten Techniken, um die Trikuspidalklappe abzudichten, seien daher sehr bedeutend. Dabei handelt es sich zum einen um Clip-Systeme, die eine Art Klammer darstellen, die gezielt in das Herz eingeführt und an die Klappensegel befestigt werden. Außerdem steht ein Ring zur Verfügung, der um die Trikuspidalklappe gelegt werden kann und zur Raffung der Herzklappenbasis verwendet wird.

Technisch anspruchsvoller Eingriff

Der Katheter-gestützte Eingriff ist technisch nicht ganz einfach, weshalb er bislang nur von spezialisierten Zentren durchgeführt werden kann. Zum einen ist die Trikuspidalklappe sehr variabel angelegt und individuell konfiguriert. Für jeden Patienten müssen die Ärzte daher eine individuelle Therapiestrategie entwickeln. Außerdem ist die begleitende Bildgebung häufig schwieriger. Der dafür eingesetzte Schluckultraschall sitzt in der Speiseröhre und diese ist weiter von der Trikuspidalklappe entfernt als etwa von der Mitralklappe. Die Bilder, mithilfe derer die Klappe angesteuert wird, sind deshalb häufig nicht einfach zu erheben.

360 Patienten und Patientinnen nehmen an der Studie teil

"An dieser Studie sollen daher die rund 30 größten und erfahrenen Zentren aus Deutschland teilnehmen und insgesamt 360 Patientinnen und Patienten., da diese Therapieform noch sehr neu ist und die Erfahrung in den meisten anderen Zentren noch sehr überschaubar ist", erklärt Studienleiter Prof. Dr. Hausleiter. Die Uniklinik Augsburg gehöre bisher noch nicht zu diesen Zentren, so dass diese Studie derzeit dort noch nicht angeboten werden könne. "Ich bin aber zuversichtlich, dass viele Kliniken in den nächsten fünf Jahren eine vergleichbare Erfahrung aufgebaut haben und diese Behandlung ebenfalls mit guter Qualität anbieten können", meint der Herzspezialist .

Vielversprechende Patientenberichte

„Bisher liegen uns nur Daten aus Beobachtungsstudien vor“, so Prof. Dr. Hausleiter. „Aber die sind vielversprechend, viele Patienten und Patientinnen erzählen uns bei der Nachkontrolle, dass es ihnen nach dem Eingriff deutlich besser geht.“ Die geplante Studie soll nun wissenschaftlich belegen, dass die Therapie den Behandelten wirklich hilft.  (pm/bif)

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