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Psychische Erkrankungen

Serotoninmangel: Ursache für Depression?

Der Botenstoff Serotonin wird auch als Glückshormon bezeichnet. Aber verursacht ein Mangel wirklich Depressionen?
Bild: , (C) VMM
Der Botenstoff Serotonin wird auch als Glückshormon bezeichnet. Aber verursacht ein Mangel wirklich Depressionen?

Was führt dazu, dass ein Mensch depressiv wird? Oft wird ein Serotoninmangel im Gehirn dafür verantwortlich gemacht. Aber stimmt dieser Mythos eigentlich, und was ist Serotonin überhaupt?

Clara Schwab

Gedrückte Stimmung, das Fehlen von Freude, rasche Ermüdbarkeit und Antriebslosigkeit – das sind nur ein paar der möglichen Symptome von Depressionen. Doch wie genau kann diese Krankheit überhaupt erst entstehen? Die Intersana-Redaktion klärt den Mythos um den Serotoninmangel auf. 

Zeitreise in die Vergangenheit 

Die Ursache von Depressionen erforschten Wissenschaftler im Jahre 1969. Sie bemerkten bald, dass der Botenstoff Serotonin in der Gehirnflüssigkeit von depressiven Patient:innen in geringeren Mengen vorkam als bei Gesunden. Dieser Neurotransmitter ist an der Regulierung von Stimmung, Appetit und Schlaf beteiligt. Daraufhin schlussfolgerte man, dass ein Serotoninmangel Depressionen hervorruft. Das bedinge die Niedergeschlagenheit, die bei Depression auftritt – und Medikamente, die die Serotoninkonzentration erhöhen, würden das Ungleichgewicht korrigieren und so die Stimmung der Betroffenen heben. Dieser Mythos hält sich bis heute. Aber entspricht er der Wahrheit? 

Serotoninmangel: Forschung damals und heute 

Die Serotoninhypothese ging damals rasend schnell in die Medizinbücher ein – schließlich bot sie eine schlüssige Erklärung für die Ursache von Depressionen. In den 1970er und 1980er Jahren versuchten daraufhin zahlreiche Forschungsgruppen, die Theorie auf ein solides wissenschaftliches Fundament zu stellen. 1980 fasste der schwedische Mediziner Carl-Gerhard Gottfries die Erkenntnisse mehrerer Studien zusammen. Doch überraschenderweise zeigten die Daten im Gehirn von Verstorbenen keinen Zusammenhang zwischen einem Serotoninmangel und Depression. 

Bei lebenden Menschen lässt sich eine solche Messung dagegen kaum durchführen. Es kann zwar anhand der Konzentration von Serotonin im Nervenwasser auf seine Menge im Gehirn geschlossen werden, jedoch schwanken die Ergebnisse stark. Auch nach heutiger Forschung lässt sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Serotoninspiegel und depressiven Symptomen bestimmen, da Depressionen viel komplexer sind und nicht nur durch einen einzigen Botenstoff verursacht werden. 

Hilfe bei Depressionen 

Depressionen werden nämlich nicht durch Serotoninmangel, sondern durcheine Anzahl an ganz individuellen Faktoren verursacht. Egal ob psychische Erkrankungen, erbliche Faktoren, aber ebenso einschneidende Lebensereignisse und belastende Lebensumstände sind dabei zu beachten. Ebenso können körperliche Einflüsse oder positive Ereignisse, wie Geburten und Co. zu Depressionen führen. Dazu kann sie bei jüngeren oder älteren Personen auftreten. Allerdings gibt es verschiedene Tipps, wie Angehörige Betroffene mit Depressionen erkennen können und was gegen die Krankheit helfen kann

Informations- und Hilfsangebote für Menschen mit Depression 

• Wissen, Selbsttest und Adressen rund um das Thema Depression unter 

 www.deutsche-depressionshilfe.de 

• deutschlandweites Info-Telefon Depression 0800 33 44 5 33 (kostenfrei) 

• fachlich moderierte Online-Foren zum Erfahrungsaustausch für Erwachsene 

www.diskussionsforum-depression.de und junge Menschen ab 14 Jahren www.fideo.de