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Hodenkrebs

Hodenkrebs ertasten und Chemo verhindern

Direktorin Prof. Dr. Dorothea Weckermann
Bild: , (C) Ulrich Wirth | Universitätsk
Direktorin Prof. Dr. Dorothea Weckermann

Die Hodenkrebs-Diagnose des BVB-Spielers Sébastien Haller lenkte zuletzt die Aufmerksamkeit der Medien auf die relativ unbekannte Krebskrankheit. Normalerweise wird der Tumor, welcher vor allem bei jungen Männern auftritt, aber eher selten in den Medien thematisiert. Dabei können Betroffene den Hodenkrebs sogar selbst ertasten und damit den Krankheitsverlauf enorm beeinflussen.

Ilaria Wollek

Frauen lernen meist schon ab Beginn der Pubertät, wie wichtig die Brustkrebsvorsorge und die Selbstuntersuchung der eigenen Brust ist. Doch im Vergleich dazu wissen viele Männer in verschiedenen Altersgruppen oft gar nicht, dass auch ein regelmäßiges Abtasten der Hoden für die Früherkennung von Hodenkrebs essenziell ist. Hodenkrebs zeichnet sich als ein eher selten vorkommender Tumor aus. In der Regel sind junge Männer davon betroffen. Frau Prof. Dr. Dorothea Weckermann, Direktorin und Chefärztin der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Augsburg, unterscheidet beim Hodentumor zwischen Keimzelltumoren und Nicht-Keimzelltumoren. „Der klassische Hodentumor, darunter versteht man den Keimzelltumor des Hodens, hat seine größte Häufigkeit bei Männern zwischen 25 und 35 Jahren. Insgesamt gehen wir davon aus, dass Hodentumore die häufigsten soliden Tumore in diesem jungen Lebensalter bei Männern sind.“

Wie kann der Hodenkrebs ertastet werden?

Hodenkrebs äußert sich durch eine tastbare, in der Regel schmerzlose Verhärtung am Hoden. Meist tritt der Tumor nur in einem Hoden auf. „Das schlimme ist, dass der Hodentumor im Anfangsstadium nicht weh tut. Deswegen ist das Tasten auch so wichtig“, erklärt Prof. Dr. Weckermann. „Der Hoden selbst hat eine prall-elastische, weiche Konsistenz und eine glatte Oberfläche. Der Tumor ist jedoch ganz hart und kann von Betroffenen deshalb gut ertastet werden“, führt die Fachärztin für Urologie weiter aus.

Hodenkrebs wird bei jungen Männern oftmals spät erkannt. Das liegt daran, dass Jungen und Männer in diesem Alter meist noch keinen oder wenig Kontakt zu Urologen haben. „Deswegen ist es eigentlich die Aufgabe der Eltern oder auch der Lehrer, über die Selbstuntersuchung der Hoden aufzuklären“, erläutert Prof. Dr. Weckermann. Sie empfiehlt die Hoden einmal im Monat unter der Dusche abzutasten, um einen Hodenkrebs frühzeitig zu erkennen. Hat man eine harte Stelle im Hoden ertastet, erfolgt eine weitere Untersuchung durch einen speziellen Facharzt. Mit dem Ultraschall lässt sich dabei gut erkennen, ob tatsächlich ein Tumor vorhanden ist. „Leider gehen ca 50% der Betroffenen erst zwei Monate nach der Beobachtung einer veränderten Stelle zum Arzt“, erzählt die Chefärztin der Klinik für Urologie in Augsburg. „Vielleicht liegt das an dem Schamgefühl oder weil das Bewusstsein nicht da ist, dass es ein Tumor sein könnte.“

Betroffene können durch frühes Ertasten des Hodenkrebs eine Chemotherapie verhindern

Die gute Nachricht ist: Hodenkrebs zeichnet sich selbst im vorangeschrittenen Stadium durch gute Heilungschancen aus. „Je früher man den Tumor erkennt, desto besser sind die Heilungschancen“, weiß Prof. Dr. Weckermann. „Beim Hodentumor ist es so, dass der Hoden, der den Tumor enthält, komplett entfernt wird. Wenn der Krebs nicht weiter in die Lymphknoten, die Lunge oder in andere Organe gestreut hat, braucht man in der Regel auch keine weitere Chemo- oder Strahlentherapie.“ Diese Krebstherapien sollte jedoch vor allem bei jungen Menschen verhindert werden. „Es macht einen Unterschied, ob ich einen 25-jährigen mit den hochtoxischen Substanzen der Chemotherapie oder der Strahlentherapie in Kontakt bringe, oder einen 75-jährigen. Denn Spätfolgen der Strahlen- und der Chemotherapie können zum Beispiel dazu führen, dass ein weiterer Tumor entsteht.“

Für die Zeugungsfähigkeit empfiehlt sich eine Kryokonservierung

Expert:innen sind sich noch unsicher darüber, welche Ursachen den Hodenkrebs tatsächlich hervorrufen. „Es ist jedoch so, dass Männer mit Fertilitätsstörungen, die also keine Kinder zeugen können, eher zum Hodenkrebs neigen“, erzählt die Chefärztin aus Augsburg. Wie sieht es ansonsten mit der Fruchtbarkeit bei Männern mit Hodenkrebs aus? „Die Zeugungsfähigkeit und Qualität der Spermien ist bei den Hodentumorpatienten eingeschränkt. Aus diesem Grund empfehlen wir spätestens vor einer Chemotherapie eine Kryokonservierung, also das Einfrieren von Spermien.“ Die Testosteronversorgung soll laut Prof. Dr. Weckermann jedoch auch nur mit einem Hoden für das normale sexuelle Verlangen ausreichen.

Mehr Aufklärung zu Hodenkrebs

BVB-Spieler Sébastien Haller hat trotz Krebserkrankung gute Chancen darauf, nach seiner Behandlung wieder zum Fußballsport zurückzukehren. Trotzdem sollte die Aufklärungsarbeit zum Thema Hodenkrebs nicht nur durch mediale Schlagzeilen bei Prominenten erfolgen. Das findet auch Prof. Dr. Weckermann: „Man muss das Bewusstsein für die Krankheit schärfen, vor allem auch bei den Eltern. Diese sollten ihre Kinder auf das Abtasten der Hoden hinweisen. Man kann im Alter von 15 Jahren schon anfangen, sich das monatliche abtasten anzugewöhnen. Dann dürfte auch nichts übersehen werden.“