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Wenn Kinder eine OP brauchen

Das leistet die Kinderchirurgie am Uniklinikum Augsburg

Kinderchirurgie verlangt sehr viel Einfühlungsvermögen und ist eine wesentliche Säule der konservativen und operativen Kinder- und Jugendmedizin.
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Kinderchirurgie verlangt sehr viel Einfühlungsvermögen und ist eine wesentliche Säule der konservativen und operativen Kinder- und Jugendmedizin.

Der Einsatzbereich der Kinderchirurgie an der Kinderklinik Augsburg ist groß, schließlich sind hier viele medizinische Fachgebiete rund um Kinder und Jugendliche unter einem Dach vereint. Zwei Beispiele, was die Kinderchirurgie leistet.

Birgit Waldmann

Die Kinderchirurgie  an der Kinderklinik Augsburg ist eine wesentliche Säule der konservativen und operativen Kinder- und Jugendmedizin. Zu ihr gehören neben der allgemeinen Kinderchirurgie vor allem die Neugeborenenchirurgie, Kinderurologie, die Plastische Kinderchirurgie und die chirurgische Kinderonkologie.

Seit zwei Jahrzehnten leitet Dr. med. Tobias Schuster die Klinik für Kinderchirurgie an der Kinderklinik Augsburg. Der Facharzt, der in Augsburg mit allen Disziplinen zusammenarbeitet, weiß wie wichtig die Spezialisierung der Kinderchirurgie ist, denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen. Das zeigen die beiden folgenden Beispiele.

Kinderchirurgie operiert Fehlbildungen

Als die kleine Lea (Name geändert) in einem Notkaiserschnitt in der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kam, betrug ihr Geburtsgewicht nur 968 Gramm bei einer Länge von 37 Zentimetern. Äußerlich war es ein kleines Mädchen, die Untersuchung nach der Geburt ergab jedoch, dass keine anale Öffnung bestand. Außerdem stellte man fest, dass die Speiseröhre des Babys nicht durchgängig war. Stattdessen bestand eine Verbindung der Luftröhre zum unteren Speiseröhrenstumpf.

Weitere Ergebnisse einer Ultraschalluntersuchung waren: Lea hatte nur eine Niere, eine Gebärmutter war nicht vorhanden und Lea litt unter einem komplexen Herzfehler. Das bedeutete: Schon am zweiten Lebenstag musste Lea operiert werden.

Diese Fehlbildungen haben die Kinderchirurgen beseitigt

Zuerst wurde ein künstlicher Magenausgang angelegt, damit nicht so viel Beatmungsluft in den Magen gelangt. Gleichzeitig wurde die Verbindung zwischen Luftröhre und Speiseröhre verschlossen und ein angeborener Defekt an der Luftröhre erfolgreich behandelt. Schließlich musste das Chirurgenteam der Kinderklinik um Dr. Schuster bei Lea noch einen künstlichen Dickdarmausgang anlegen, weil die anale Öffnung fehlte.

Danach sollte sich Lea erst einmal von dieser Operation erholen und größer werden. Ernährt wurde sie in der Zeit über einen in dem künstlichen Magenausgang einliegenden Schlauch. Am 33. Lebenstag, mit nun immerhin 1,4 Kilogramm Gewicht, wurde mittels Spiegelung über den Mund die Luftröhre untersucht. Der Defekt zeigte sich weiter verschlossen. Deshalb wurden gleich die beiden Enden der Speiseröhre miteinander verbunden. Damit wurde eine Nahrungsaufnahme auch über den Mund ermöglicht, sodass Lea normal trinken konnte. Zwischenzeitlich wurde auch der komplexe Herzfehler im Deutschen Herzzentrum München korrigiert.

Warum manche OP von den Kinderchirurgen zurückgestellt werden musste

Größtes Problem war jetzt: die fehlende anale Öffnung. „Es existierte quasi nur ein gemeinsamer Ausführungsgang von Harnweg und Darm. Außerdem bestätigten weitere Untersuchungen, dass weder Vagina noch Gebärmutter angelegt waren“, berichtet Dr. Schuster von dem Fall. Um sicherzugehen, dass es sich bei Lea aber trotzdem genetisch um ein Mädchen handelt, wurden die Eierstöcke und das Erbgut untersucht. Daraufhin folgten Überlegungen, ob man Lea jetzt schon eine Vagina konstruieren sollte.

„Wir entschieden uns dagegen, weil das Risiko für Komplikationen beim Darmausgang deutlich größer gewesen wäre“, erklärt Dr. Schuster weiter. Zudem sollte Lea später selbst die Entscheidung dafür überlassen werden. So wurde erst einmal „nur“ die Öffnung von Anus und Harnröhre an normaler Stelle von den Kinderchirurginnen und -chirurgen geschaffen. Auch diese komplexe Operation gelang erfolgreich. Inzwischen geht es Lea gut. Sie hat keinen künstlichen Magen- oder Darmausgang mehr.

Tumoroperationen in der Kinderchirurgie

Ein anderer kniffliger Fall für die Kinderchirurginnen und -chirurgen an der Kinderklinik war der Fall des kleinen Jonas (Name geändert). Der zwei Monate alte Junge litt unter Schreiattacken und vorgewölbtem Bauch. Die Untersuchung in der Kinderklinik ergab ein Neuroblastom, einen Tumor, der das kleine Becken praktisch komplett ausfüllte und zu einem Rückstau von Urin auf der linken Seite führte. Niere und Harnleiter waren erweitert.

In einer Operation wurde eine Probe vom Tumor genommen und ein Katheter zum Ableiten des Urins gelegt. Nachdem sich der Tumor bestätigte, erhielt Jonas eine Chemotherapie – auf die der Tumor aber nicht ansprach. „Wir entschlossen uns deshalb zur chirurgischen Entfernung des eigentlich als inoperabel eingestuften Tumors“, erzählt Dr. Schuster. Bei der OP konnte der Tumor komplett entfernt werden. Gleichzeitig wurden Proben aus der Umgebung (Lymphknoten) genommen, die sich glücklicherweise alle als tumorfrei erwiesen. Eine weitere Chemotherapie war deshalb nicht mehr erforderlich.

Toller Erfolg für die Kinderchirurgie

Im Folgenden normalisierte sich die Blasenfunktion. Dr. Schuster: „Das war für unser OP-Team ein toller Erfolg, weil eine solche Operation des Tumors in direkter Nähe zur Blase immer das Risiko einer postoperativen Blasenfunktionsstörung birgt.“ Heute kommt der kleine Patient noch zu engmaschigen Kontrollen zu den Kollegen der Kinderonkologie – bisher stets mit unauffälligen Befunden.

Die beiden komplizierten Beispiele von Lea und Jonas zeigen, wie wichtig die Kinderchirurgie ist und was durch sie heute möglich ist. Sie zeigen aber auch, wie langwierig solche Behandlungen mit oft mehreren Klinikaufenthalten sein können und wie wichtig hier eine gute und langfristige Betreuung der Familien ist. Nicht nur durch die Kinderchirurginnen und -chirurgen sowie die Pflegenden in der Kinderklinik, sondern auch in der Nachsorge durch den Bunten Kreis, der die Eltern in der Pflege ihrer oft schwer kranken Kinder fachlich und mental unterstützt und sie damit ein Stück weit entlastet.