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Tag der Organspende

Tag der Organspende: Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.

Am 04. Juni ist Tag der Organspende.
Bild: , (C) Vmm
Am 04. Juni ist Tag der Organspende.

Organ- und Gewebetransplantationen gehören heute zum Standard der medizinischen Versorgung. Sie können das Leben vieler schwerkranker Menschen retten oder die Lebensqualität deutlich verbessern. In ganz Deutschland findet einmal im Jahr der Tag der Organspende statt – immer am ersten Samstag im Juni. Der Tag dient dazu rund um das Thema Organspende zu informieren und aufzuklären. Anlässlich dieses Tages hat die Intersana-Redaktion mit dem Geschäftsführenden Oberarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Augsburg (UKA) Herr Dr. med. Sommer gesprochen. Er klärt auf, wie wichtig es ist, seinen Willen zur Organspende, egal ob man einverstanden ist oder nicht, zu Lebzeiten zu äußern.

Viviana Wagner

Dr. med. Florian Sommer - Geschäftsführender Oberarzt (Facharzt für Viszeralchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie)
Bild: (C) UKA
Dr. med. Florian Sommer - Geschäftsführender Oberarzt (Facharzt für Viszeralchirurgie und spezielle Viszeralchirurgie)

Was sind die Voraussetzungen für eine Organspende in Deutschland? 

Dr. Sommer: Um eine Organspende durchführen zu dürfen ist das Einverständnis des Spenders oder die Zustimmung durch die nächsten Angehörigen zwingend erforderlich. Weiter muss in einem medizinischen Evaluationsprozess der sogenannte Hirntod festgestellt werden, welcher als sicheres Todeszeichen in der Medizin anerkannt ist. Hier ist es wichtig zu verstehen, dass in unserer Gesetzeslage nur Patienten zum Organspender werden können, wenn sie sich zum Zeitpunkt der Hirntodfeststellung auf einer Intensivstation befinden und dort bereits Maßnahmen ergriffen wurden, die die Kreislaufsituation unterstützen und die Organsysteme schützen. Die Situation, dass zum Beispiel Unfallopfer im Rahmen von Verkehrsunfällen direkt vom Unfallort zum Spender werden, ist in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Regelungen nicht möglich. Liegt also ein Einverständnis vor und ist der Hirntod gesichert, dann wird der Spende Prozess eingeleitet. 

Bis zu welchem Alter können die Organe verwendet werden? 

Dr. Sommer: Grundsätzlich gibt es keine Altersobergrenze für eine Organspende. Wichtig ist, dass die grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende in Form eines Organspende-Ausweises dokumentiert ist. Über die medizinische Verwendung von Organen wird dann durch die beteiligten Ärzte im Organspende-Prozess oder durch die beteiligten Ärzte der Transplantationszentren entschieden. 

Was wären Gründe warum jemand keine Organe spenden kann? 

Dr. Sommer: Es gibt verschiedene medizinische Gründe, die eine Organspende unmöglich machen. Aktive bestehende Infektionskrankheiten oder Tumorerkrankungen können etwa Hinderungsgründe sein. Dies entscheiden dann aber die behandelnden Ärzte. Grundsätzlich sollte jedoch bei jedem Menschen die Bereitschaft zur Organspende dokumentiert und niemand vorab davon ausgeschlossen sein! 

Wie lange sind aktuell die Wartezeiten für ein Spenderorgan? 

Dr. Sommer: Am Beispiel der Nierentransplantation, wie sie hier am UKA durchgeführt wird, kann man sagen, dass die Wartezeit über die letzten Jahre deutlich angestiegen ist und aktuell zirka sechs bis 10 Jahre beträgt. 

Besitzen viele Menschen einen Organspendeausweis?  

Dr. Sommer: Grundsätzlich wissen wir aus vielen Studien, dass die Bereitschaft der Bevölkerung zur Organspende mit über 80 Prozent sehr hoch ist. Den letzten Schritt, diese Einstellung auch schriftlich zu fixieren, gehen dann allerdings nur sehr wenige. Deshalb liegt die Quote der ausgefüllten Organspendeausweise bei unter 40 Prozent.  

Warum ist ein Organspendeausweis wichtig? 

Dr. Sommer: Es ist extrem wichtig zu Lebzeiten seine eigene Einstellung zum Thema Organspende zu dokumentieren. Mit dem Organspendeausweis stehen dabei beide Möglichkeiten offen - man kann sich für Organspende entscheiden oder auch schriftlich gegen Organspende! In beiden Fällen wird der eigene Wille kundgetan und die Last von den Schultern der Angehörigen genommen, die ansonsten anstelle des Patienten entscheiden müssen. Diese Situation gilt es aus meiner Sicht auf alle Fälle zu vermeiden, denn nichts fällt schwerer als in einer Situation, in der man mit dem Tod eines Angehörigen konfrontiert ist über dessen mutmaßlichen Willen zum Thema Organspende entscheiden zu müssen! 

Deshalb mein klares Credo: Bitte entscheiden Sie zu Lebzeiten für sich selbst! 

Tag der Organspende: Hier gibt’s den Organspendeausweis in Augsburg 

Vorderseite Organspendeausweis
Bild: (C) Vmm
Vorderseite Organspendeausweis
Rückseite Organspendeausweis
Bild: (C) Vmm
Rückseite Organspendeausweis
  • Online ausfüllen und ausdrucken 

Der Ausweis kann einfach online ausgefüllt und anschließend ausgedruckt werden. Wer eine Plastikkarte bevorzugt, kann ihn online ausfüllen und sich kostenfrei nach Hause schicken lassen. 

  • Krankenkasse 

Wer seine Entscheidung in einem Organspendeausweis festhalten möchte, kann einfach bei seiner Krankenkasse anrufen und sich kostenlos einen Organspendeausweis ausstellen lassen. 

  • Arztpraxen, Apotheken und Krankenhäuser 

Auch beim nächsten Hausarzt-Besuch kann nach einem Organspendeausweis gefragt werden. Ebenso in den Augsburger Apotheken und Krankenhäusern. 

  • Einwohnermeldeamt 

Wer bald seinen Personalausweis oder Reisepass erneuern muss, kann bei der Gelegenheit direkt nach dem Organspendeausweis fragen. 

Organspendeausweis in mehreren Sprachen erhältlich 

Idealerweise hat man den Organspendeausweis immer bei sich. Denn ist er im Ernstfall nicht aufzufinden ist man nirgends als Organspender registriert. Er ist deshalb gut im Geldbeutel bei den Personalpapieren aufgehoben. Den Ausweis gibt es auch in verschiedenen Sprachen. Wer sich also für längere Zeit im Ausland befindet, kann das Dokument in der entsprechenden Landessprache herunterladen und ausfüllen

Egal wie man sich entscheidet: Es ist wichtig Klarheit zu schaffen. Die Entscheidung wird an keiner Stelle gespeichert. Ändert jemand also seine Meinung, reicht es den Organspendeausweis zu vernichten und einen neuen auszufüllen. Sollte jemand das Thema Organspende in der Patientenverfügung festhalten, kann auch diese jederzeit geändert werden. Es gibt also keinen Grund, keine Entscheidung zu treffen.