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Auf was Diabeteskranke im Ramadan achten sollten

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Im Fastenmonat Ramadan sollen Musliminnen und Muslime tagsüber auf Essen und Trinken verzichten. Doch Betroffene von Diabetes mellitus haben dabei einiges zu beachten.


Fatma K. aus Augsburg geht es derzeit manchmal nicht gut. Vor einigen Jahren wurde bei ihr Diabetes mellitus diagnostiziert. Trotzdem nimmt sie am Fastenmonat Ramadan teil, der heuer am 1. April  begonnen hat und am Abend vom Sonntag, 1. Mai, endet. 

Wie lange dauert der Ramadan?

Der Fastenmonat Ramadan ist eines der wichtigsten Feste im Islam. Das Fasten zählt zu den fünf Säulen dieser Religion. Der Ramadan dauert 29 oder 30 Tage. Er richtet sich nach dem Mond- und nicht nach dem Sonnenkalender. Nachdem sich das Mond- vom Sonnenjahr um elf Tage unterscheidet, rückt der Ramadan jährlich einige Tage nach vorn. Er endet mit dem Zuckerfest.

Für wen findet der Ramadan im Islam statt?

Der Ramadan findet für die rund fünf Millionen gläubigen Musliminnen und Muslime in Deutschland und auf der ganzen Welt statt. In Augsburg bilden Musliminnen und Muslime laut Wikipedia die zweitgrößte religiöse Gemeinschaft.

Eine Vielzahl von Moscheen, Gebets- und Vereinsräumen, die von unterschiedlichen Gemeinschaften mit eigenen Zielsetzungen und Schwerpunkten geführt werden, finden sich in der Schwabenmetropole. Den Hauptanteil der islamischen Bürgerinnen und Bürger machen dabei in Augsburg Migrantinnen und Migranten aus der Türkei aus. Daneben bestehen aber auch Vereine und zugehörige Gebetsstätten der arabischen, bosnischen und irakischen Muslime sowie zwei alevitische Kulturzentren.

Was gilt im Ramadan? 

Im Ramadan sind zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang Essen, Trinken und Rauchen verboten.  Zwar sind Kranke, Schwangere und Alte von der religiösen Pflicht ausgenommen, dennoch möchten viele an diesem sozio-kulturell wichtigen Ereignis teilhaben, so wie Fatma K. aus Augsburg.

 „Aber insbesondere bei einem schlecht eingestellten Diabetes mellitus oder Schwangerschaftsdiabetes sollte auf das Fasten eher verzichtet werden oder ist nur unter engmaschiger Diabetesberatung zu empfehlen“, erklärt der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e. V. (VDBD). Auch beim täglichen Fastenbrechen während des Ramadans kann ein Ernährungsplan unnötigen Belastungen für den Stoffwechsel vorbeugen.

Tägliches Fasten bedeutet zunächst Stress für den Körper. Grund dafür können zusätzliche Belastungen wie der sinkende Energieverbrauch, übermäßiger Fettabbau oder Kreislaufprobleme sein. Insbesondere für Menschen mit Diabetes sind drohende Über- und Unterzuckerungen gefährlich. „Blutzuckerschwankungen und der körperliche Stress, verursacht durch Fastenperioden, können drastischere Auswirkungen für Menschen mit Diabetes haben. Schlimmstenfalls können sie zu einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung, die durch Insulinmangel ausgelöst wird, wie der Ketoazidose führen“, erklärt Dr. rer. medic. Nicola Haller, Vorsitzende des VDBD.

Ramadan-Fasten als Chance für ein besseres Diabetesmanagement

„Wichtig ist es aber für Menschen mit Diabetes, die sich für das Fasten und die Teilnahme am Ramadan entscheiden, sie nicht pauschal davon abzubringen, sondern im Umgang mit den möglichen Verfahrensweisen zu bestärken“, führt Haller aus. Dafür sei es jedoch dringend notwendig, in dieser Zeit eine kontinuierliche Diabetesberatung und -begleitung in Anspruch zu nehmen und das darin gelernte Wissen in der Praxis anzuwenden. „Die Fastenzeit kann auch einen nachhaltigen positiven Effekt auf das Diabetesmanagement haben. Um das Management in der Fastenzeit gut zu meistern, ist es unumgänglich, Medikation, Essen und Wohlbefinden optimal aufeinander abstimmen“, so Haller. 

Was vor und während des Ramadan-Fastens beachtet werden sollte

Daher wäre es am besten gewesen, sechs bis acht Wochen vor der Fastenzeit gemeinsam mit dem behandelnden Diabetesteam die gesundheitlichen Herausforderungen durch das Fasten zu besprechen. Wer das nicht getan hat, sollte es möglichst bald noch tun. Gesprochen werden sollte über Hyper- und Hypoglykämien durch den veränderten Schlaf- und Mahlzeitenrhythmus, Dehydrierung und Thrombosen bei körperlicher Aktivität durch das Trinkverbot am Tag.

„Insbesondere bei einem Diabetes Typ 2 muss geklärt werden, wie und welche Medikation während des Fastens weitergeführt wird. Denn zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang ist die Einnahme von oralen Medikamenten verboten – Insulinspritzen und Blutzuckermessen sind hingegen erlaubt“, gibt Diabetesberaterin Haller zu bedenken. Eine engmaschige Glukosekontrolle sei dringend notwendig. „Fastende sollten regelmäßig den Blutzucker kontrollieren – am einfachsten lässt sich diese Kontrolle durch kontinuierliche Glukosemanagement Systeme (CGM, FGM) realisieren“, erklärt Haller. Zudem sei ein individueller Ramadan-Ernährungsplan zu erstellen, der sich an den Regeln der gesunden Ernährung orientiert.

 Welche Nahrungsmittel sich während des Ramadan-Fastens eignen

Zum Suhoor, der Mahlzeit vor Sonnenaufgang, empfehlen sich Lebensmittel mit einem hohen Ballaststoffgehalt, die das Hungergefühl hinauszögern. Dazu gehören Vollkornprodukte bei Brot und Reis, Grieß, Haferflocken und Joghurt, Linsen und andere Hülsenfrüchte, gekochte Eier und viel Flüssigkeit, um gut über den Tag zu kommen. „Es ist außerdem sehr wichtig, viel Wasser oder ungesüßten Tee vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang zu trinken, um den Flüssigkeitsbedarf insgesamt abzudecken“, erklärt Haller.

Was sollte beim abendlichen Fastenbrechen gegessen werden?

Das abendliche Fastenbrechen, der Iftār, sollte viel Gemüse oder Salat beinhalten, um den Stoffwechsel nicht übermäßig zu belasten. „Empfehlenswert ist es, das Gemüse und die Beilagen möglichst fettarm zuzubereiten, also zu backen oder zu dünsten anstatt zu frittieren. Auch Kichererbsen, Linsen und Hülsenfrüchte sind geeignet. Helles Geflügelfleisch oder Fisch ist besser als Rindfleisch, und bei Nudeln, Reis und Brot sind immer die Vollkorn-Varianten zu bevorzugen. Als Nachtisch bieten sich Datteln und Obst besser an als gezuckerte Speisen wie Baklava, denn sie liefern auch Vitamine, Kalzium, Eisen und weitere Mineralstoffe. Insulinpflichtige[BK8]  Patienten, wie es Burhan K. aus Augsburg ist, sollten in jedem Fall die entsprechende Dosierung zum abendlichen Essen mit dem therapeutischen Team im Vorfeld besprechen.

Auch stoffwechselgesunde Menschen profitieren von diesen Regeln. Halten Fastende sich an diese Maßgaben, steht einem positiven gesellschaftlichen, kulturellen Erlebnis sowie einem guten Effekt auf die Gesundheit nichts im Wege“, so Haller.

 

Wann besteht beim Fasten ein Risiko für Komplikationen?

  • Bei schweren Unter- und Überzuckerungen (Hypo- und Hyperglykämien) innerhalb der zurückliegenden drei Monate vor dem Ramadan
  • Bei aktuellen Erkrankungen
  • Bei Schwangerschaft(sdiabetes)
  • Bei Nierenproblemen/Dialyse
  • Bei Typ-1-Diabetes
  • Bei besonders intensiver körperlicher Arbeit
  • In hohem Alter bei schlechtem Gesundheitszustand
    (pm/bif)