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Vibrationen gegen Verspannung

Klangtherapie soll Nerven beruhigen

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Ob Musik oder andere Geräusche: Die Wirkung von Tönen auf das menschliche Nervensystem ist unbestritten. Das macht sich die Klang- und Musiktherapie zunutze.

Eva Neumann

Sie setzt akustische Reize gezielt ein. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Anwendungsformen - wissenschaftlich belegt ist eine Wirkung allerdings oft nicht.

Man kennt es vom Musikhören im privaten Umfeld: Nicht selten dienen die Klänge vor allem der Entspannung. „Besonders beruhigend wirkt trophotrope Musik mit schwebenden Rhythmen, aneinander gebundenen Tönen und sanft fließenden Melodien“, beschreibt Hartmut Schröder, Leiter des Instituts für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften in Frankfurt/Oder.

Dies machen sich vermehrt auch Hotels und Spas zunutze. „Dort wird sogenannte Wellness-Musik oft sehr unsystematisch eingesetzt: Einzelne Räume oder auch eine gesamte Einrichtung werden mit einer nichtssagenden Hintergrundmusik beschallt“, kritisiert aber Lutz Hertel, Vorsitzender des Deutschen Wellness Verbandes in Düsseldorf.

Zwei verschiedene Angebote

Im Gegensatz zu solch allgemein beruhigendem, atmosphärischem Einsatz zielen Musik- und Klangtherapien auf den individuellen Nutzer. „Musik- und Klangtherapie sind jedoch grundverschiedene Angebote“, erläutert Karl Hörmann, Professor für Musik- und Tanzpädagogik an der Universität Münster. Musik besteht aus Melodien und Tonfolgen. Die Klangtherapie hingegen beschränkt sich auf Klang als solchen. Vibration und Resonanz sollen erfahren werden.

Die allgemeinste Form ist die Klangmeditation. „Dabei kann ich als Nutzer kaum etwas falsch machen“, urteilt Schröder. Um zu testen, was als wohltuend empfunden wird, empfiehlt Schröder, zunächst mit einer kürzen Sitzung anzufangen. Klangmassagen zielen stärker auf körperliche Beschwerden wie Verspannungen.

Am bekanntesten sind Behandlungen mit Klangschalen aus diversen Metallen: Sie werden auf bestimmte Energiepunkte oder verspannte Regionen des bekleideten Körpers gesetzt. Dann werden sie nacheinander mit einem Klöppel angeschlagen. Auch Harfen oder Didgeridoos kommen zum Einsatz.

Schall wirkt 

Die Wirkung beruht nach Angaben der Befürworter auf zwei Elementen: „Zum einen wird die Massage als Zuwendung empfunden. Zum anderen überträgt sich der Schall auf den Körper, breitet sich im Gewebe aus und wird als Vibration wahrgenommen“, sagt Schröder. So können Selbstheilungskräfte angeregt und tiefe Entspannungszustände bis hin zur Trance erreicht werden.

Noch spezifischer ist die Tonpunktur, auch Phonophorese genannt: Wie bei der Akupunktur werden Punkte des Meridiansystems stimuliert. Hierzu werden statt Nadeln Stimmgabeln verwendet. „Die konkrete Wirkung dieser Therapien ist wissenschaftlich nicht ausreichend erwiesen“, bilanziert Prof. Hartmut Göbel, Ärztlicher Direktor der Neurologisch-verhaltensmedizinischen Schmerzklinik in Kiel.

Ergänzende Behandlung

Solch unkonventionelle Therapien könnten jedoch gut medizinische Behandlungen ergänzen, sagt Göbel. Das sei ähnlich wie bei Verhaltenstherapien, die auch Entspannungsverfahren enthalten. Wichtig ist dabei, dass die Klangtherapie mit dem behandelnden Arzt oder Heilpraktiker abgestimmt wird.

Eine Klangtherapie kann allerdings unerwünschte Nebenwirkungen haben. „So können bestimmte Klänge beispielsweise bei Patienten mit schweren Psychosen akute Ausbrüche bewirken“, warnt Göbel. Auch wer Drogen oder Psychopharmaka einnimmt, sollte von einer Klangtherapie Abstand nehmen. Außerdem sollte eine Behandlung abgebrochen werden, wenn sie als unangenehm empfunden wird oder gar Ängste auslöst. (tmn) Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema Wohlbefinden.