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Tinnitus: Warum Hörsysteme helfen können

Ständige Ohrgeräusche können Tinnitus-Patienten in den Wahnsinn treiben.
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Ständige Ohrgeräusche können Tinnitus-Patienten in den Wahnsinn treiben.

Wer unter Tinnitus leidet, hört einen Ton oder ein Rauschen - und das zumeist permanent. Ständige Ohrgeräusche bedeuten Stress und können zur massiven Belastung im Alltag werden.


Laut Studien leiden mehr als vier Millionen Bundesbürger unter chronischem Tinnitus und jedes Jahr kommen circa 250.000 weitere Betroffene hinzu. "Zwar gibt es kein Patentrezept dagegen, aber in vielen Fällen können Hörakustikerinnen und Hörakustiker helfen, mit einem Tinnitus besser zu leben", sagt Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörakustiker (biha). Folgende Schritte können neben der audiologischen Beratung zum Tinnitus durch den Hörakustiker dabei unterstützen, den Leidensdruck zu lindern.

Step 1: Hörtest

Die Ursachenklärung für die Ohrgeräusche, die subjektiv von Betroffenen wahrgenommen werden, gestaltet sich oft schwierig. Die Auslöser können vielfältig sein, in vielen Fällen ist interdisziplinärer Rat gefragt. Was jedoch immer bedacht werden sollte: Häufig tritt ein Tinnitus in Kombination mit einer Hörschwäche auf. Schätzungsweise neun von zehn Tinnitus-Patienten sind schwerhörig. Darum sollte über einen Hörtest, der bei Hörakustikerinnen und Hörakustikern in der Regel kostenlos durchgeführt wird, ein möglicher Hörverlust als Tinnitus-Begleiter frühzeitig abgeklärt werden, rät die Bundesinnung der Hörakustiker.

Step 2: Hörsystem

Liegt nicht nur ein Tinnitus, sondern auch eine Hörschwäche vor, kann abhängig von der Schwere und Ausprägung die Versorgung mit einem Hörsystem die Lösung für beide Probleme bieten. Denn durch die individuelle Anpassung eines Hörgeräts durch einen Hörakustiker und somit den Ausgleich des Hörverlusts werden wieder viele Töne und Geräusche besser und intensiver hörbar. Diese zurückgewonnene Klangvielfalt, die im Fachjargon als akustische Stimulanz bezeichnet wird, kann vom Tinnitus mitunter so stark ablenken, dass er bei Betroffenen in den Hintergrund tritt oder in manchen Fällen sogar nicht mehr wahrgenommen wird.

Step 3: Tinnitus-Zusatzfunktion

Bleibt ein Tinnitus trotz Ausgleich einer Hörschwäche über ein Hörsystem unerträglich, kann die Wahl und individuelle Anpassung eines Hörgeräts mit spezieller Tinnitus-Funktion helfen. Darüber wird der Hörverlust bestmöglich ausgeglichen und zusätzlich ein vom Betroffenen als angenehm empfundenes Geräusch abgespielt. Das verändert das unerwünschte Ohrgeräusch so, dass es nicht weiter stört. Im Fachjargon wird von einer "partiellen Maskierung" des Tinnitus gesprochen. Um bestmöglich vom subjektiv wahrgenommenen Tinnitus-Ton abzulenken, aber auch langfristig eine Gewöhnung an ihn zu ermöglichen, sollte er nicht vollständig "maskiert" werden. Über die sogenannte Habituation, also die Gewöhnung, lernen Betroffene oft besser mit einem Tinnitus zu leben, weil er nicht mehr als so präsent empfunden wird. Denn wird das Hörsystem mit Tinnitus-Funktion zum Beispiel nachts abgelegt und die vermeintliche Stille tritt ein, wird auch ein Tinnitus mitunter wieder stärker wahrgenommen. In diesem Fall kann es beim Einschlafen erstmal helfen, ein Rauschen oder Musik, die dem Therapie-Signal ähnelt, leise abzuspielen.

Step 4: Individuelle Anpassung

Die individuelle Anpassung durch Hörakustiker spielt für den Erfolg von Hörsystemversorgungen grundsätzlich eine entscheidende Rolle. Das gilt auch für eine kombinierte Versorgung, bei der ein Hörsystem mit Tinnitus-Zusatzfunktion zum Einsatz kommt. Der Hörakustiker kann zunächst dabei unterstützen herauszufinden, welche Art Geräusch oder Klang sich zur Ablenkung vom Tinnitus individuell am besten eignet. Liegt ein tonaler Tinnitus vor, der als nahezu kontinuierlicher Ton mit einer definierbaren Tonhöhe wie beispielsweise ein Pfeifen, Klingeln oder Summen wahrgenommen wird, dann wird oft ein Rauschen als ablenkendes Therapie-Signal als angenehm empfunden.

Ob sanftes Meeresrauschen, ob Sprachrauschen oder Hochtonrauschen - je nach Gerätemodell stehen verschiedene Therapieklänge zur Auswahl, die sich in der Lautstärke anpassen lassen. Liegt ein nicht-tonaler Tinnitus vor, der oft als Dröhnen, Klicken, Knattern, Poltern oder Rauschen beschrieben wird, kann auch eine leise Hintergrundmelodie vom Tinnitus ablenken. Welcher Therapieklang auch bevorzugt wird, wichtig ist es festzulegen, ob er permanent oder nur in bestimmten Situationen ertönen soll. Hörakustikerinnen und Hörakustiker helfen bei der individuellen Einstellung der entsprechenden Programme am Hörsystem, damit sie den individuellen Wünschen bestmöglich entsprechen.

Step 5: Regelmäßige Überprüfung

Wie der Tinnitus können sich auch die Hörgewohnheiten und die Wahrnehmung des Therapieklangs im Laufe der Zeit verändern. Darum sollte in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung stattfinden. Hörakustiker können einen solchen Prozess begleiten, entsprechend nachjustieren und Betroffenen mit Beratung zur Seite stehen. Im Rahmen ihrer Ausbildung am Campus Hörakustik in Lübeck sowie in speziellen Weiterbildungskursen werden Hörakustikerinnen und Hörakustiker für die Versorgung und Beratung von Tinnitus-Patienten umfangreich geschult. (ots)

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