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Mein Kind schielt plötzlich

Plötzliches Schielen, besonders bei Kindern, muss schnellstmöglich vom Arzt abgeklärt werden.
Bild: Pavel Losevsky, stock.adobe.com
Plötzliches Schielen, besonders bei Kindern, muss schnellstmöglich vom Arzt abgeklärt werden.

Bei jedem vierten Kind, das plötzlich schielt oder Doppelbilder sieht, diagnostizieren Ärztinnen und Ärzte in der Notaufnahme eine lebensbedrohliche Erkrankung.


Bei Erwachsenen, die älter als 65 Jahre sind, ist die Ursache für neu aufgetretenes Schielen hingegen meist eine vorübergehende Durchblutungsstörung im Gehirn.

Menschen, die zu viel Alkohol getrunken haben oder sehr müde sind, fangen mitunter plötzlich zu schielen an – in solchen Fällen sind die Auslöser bekannt und im Prinzip harmlos. „Hinter neu aufgetretenem Schielen oder Doppelbilder-Sehen kann aber auch eine ernsthafte Erkrankung stecken“, erläutert Professor Dr. med. Anja Eckstein, die unter anderem als Leiterin der Sektion Strabologie und Neuroophthalmologie an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Essen tätig ist.

Bei der Einschätzung, wie dringlich es ist, hilft zunächst die Unterscheidung, ob sich die Augen normal bewegen oder nicht. „Bewegen sich die Augen nicht symmetrisch-gleichmäßig, handelt es sich oft um einen Notfall“, erklärt die DOG-Expertin. „Denn dann sind häufig die Hirnnerven gelähmt, die die Augenmuskeln steuern.“ Ursache einer solchen Lähmung können Hirnblutungen, Hirntumoren, Hirndruck oder ein Schlaganfall sein. „So wissen wir, dass Kinder, die mit akutem Schielen infolge einer Augenbewegungsstörung in die Notaufnahme kommen, am häufigsten an einem Hirntumor leiden“, berichtet Eckstein. „Aufgrund ihres Volumens können Tumoren den Hirndruck erhöhen, und das können wir beim Blick ins Auge am geschwollenen Sehnerv erkennen“, fügt die Spezialistin für Schielerkrankungen hinzu.

 Bei Erwachsenen andere Ursachen

Anders verhält es sich bei Erwachsenen über 65 Jahren, die akut schielen und auffällige Augenbewegungen zeigen. „Bei dieser Altersgruppe ist die Lähmung der Hirnnerven am häufigsten durch eine kleinere Durchblutungsstörung im Gehirn bedingt“, so Eckstein. Liegen keine zusätzlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schwindel vor, dafür aber Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Übergewicht, werden die Betroffenen zunächst zum Internisten oder Hausarzt geschickt.

„Meistens bessern sich diese Hirnnervenlähmungen innerhalb von vier bis sechs Wochen von allein“, erläutert die DOG-Expertin. „Wichtig ist, durch entsprechende Vorsorge weitere Durchblutungsstörungen zu verhindern.“ Sind die Betroffenen jedoch unter 65 Jahre alt und leiden neben Doppelbildern und Augenbewegungsstörungen zugleich unter Kopfschmerzen, Schwindel oder Erbrechen, besteht unter anderem der Verdacht auf einen Hirntumor. „Dann muss sofort eine Bildgebung des Gehirns erfolgen“, sagt die Neuroophthalmologin.

 Handlungsbedarf nach Unfällen

Akuter Handlungsbedarf besteht ebenfalls, wenn Doppelbilder nach Unfällen auftreten, etwa einem Sturz von einem Trampolin. „Zeigt sich dann auch noch ein blaues Auge, liegt wahrscheinlich eine Augenhöhlenfraktur vor, die bei Kindern innerhalb von 24 Stunden operiert werden muss“, betont Eckstein. „Sonst vernarbt das Gewebe, und es können dauerhafte Schäden zurückbleiben.“ Auch wenn sich nach einem Schlag aufs Auge Doppelbilder einstellen, müsse sofort die augenärztliche Notfallambulanz aufgesucht werden. „Dann besteht der Verdacht auf eine Blow-out-Fraktur, die bei Erwachsenen innerhalb von ein paar Tagen operiert werden sollte, wenn die Doppelbilder anhalten“, so Eckstein. Schielen mit hervortretenden Augäpfeln kann darüber hinaus Folge einer Schilddrüsenerkrankung sein, des Morbus Basedow. In diesem Fall sind die Augenmuskeln entzündet und verkürzt, was zum Schielen führt. 

„In allen Fällen gilt: Ist die Grunderkrankung behandelt und bilden sich die Doppelbilder nicht zurück, kann die Schielstellung durch eine Operation der Augenmuskeln korrigiert werden“, betont Eckstein. Für eine solche Schieloperation sei großes Erfahrungswissen notwendig, um die Symmetrie der Beweglichkeit beider Augen wiederherzustellen, da sich diese dreidimensional bewegen. „Wer schielt, wendet sich am besten an Augenärztinnen und Augenärzte, die Erfahrung auf dem Gebiet der Strabologie und Neuroophthalmologie besitzen“, rät DOG-Präsident Professor Dr. med. Hagen Thieme. (pm)

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