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Hyaluron nicht selbst spritzen

Spritzen oder Pens mit Hyaluronsäure gehören in die Hände von Spezialisten.
Bild: Artemenko_Daria, stock.adobe.com
Spritzen oder Pens mit Hyaluronsäure gehören in die Hände von Spezialisten.

Vollere Lippen, weniger Fältchen - im Internet kursieren Videos, die zeigen, wie Patient*innen sich mit Spritzen oder Pens den Wirkstoff Hyaluron selbst injizieren. Dabei riskieren sie nicht nur optisch ein entstellendes Ergebnis, sondern auch gesundheitliche Komplikationen.


Dr. Lutz Kleinschmidt, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) und Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie erklärt dazu: „Wir Fachärzt*innen von der DGÄPC beobachten eine besorgniserregende Entwicklung, die sich in den sozialen Netzwerken abzeichnet: Die Darstellung und Bewerbung sogenannter DIY-Schönheitsbehandlungen im Internet. Es tauchen Videos auf, die zeigen, wie Patient*innen sich mit Spritzen oder Pens den Wirkstoff Hyaluron selbst in die Lippen und evtl. noch anderen Stellen im Gesicht injizieren. Dabei riskieren sie nicht nur optisch ein entstellendes Ergebnis, sondern auch gesundheitliche Komplikationen. Wir Fachärzt*innen von der DGÄPC möchten davor warnen. Auch vermeintlich kleinere, minimalinvasive Behandlungen sind ernstzunehmende medizinische Eingriffe, die ohne diagnostische Bewertung, fachmedizinische Beratung und Umsetzung ein hohes gesundheitliches Risiko bergen."

Plumpes Ergebnis

Pens sind stiftähnliche Geräte, die ohne Nadel auskommen und Hyaluronsäure mit hohem Luftdruck unter die oberste Hautschicht pressen. Der Effekt bleibt oberflächlich und ist nicht anhaltend. Dabei können kleinere Verletzungen der Lippenhaut oder Blutergüsse auftreten. Das Ergebnis muss als plump und nicht besonders ästhetisch beschrieben werden. Leider ist zu befürchten, dass nach dem Griff zum Pen, der Griff zur Nadel und Selbstinjektion nicht weit ist.

Mit besonderer Dringlichkeit möchten die Fachärzt*innen der DGÄPC vor den medizinischen und gesundheitlichen Folgen einer Selbstinjektion oder Injektion durch Laien warnen. Im Gesicht befinden sich viele anatomisch schwierige Stellen, an denen Blutgefäße durch die Injektion eines Fillerstoffs leicht zugedrückt werden können. Der Schaden ist daran zu erkennen, dass die Haut weiß wird, weil sie nicht mehr ausreichend durchblutet wird. In diesem Fall muss sofort ein Gegenmittel gespritzt werden, das natürlich nur Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen vorrätig haben – ein Laie aber nicht.

Blutgefäß kann verstopfen

Noch gefährlicher wird es, sollte Hyaluron versehentlich in das Innere eines Blutgefäßes injiziert werden. Dann verstopft das Blutgefäß und dies kann zu irreparablen Schäden führen - im oberen Gesichtsbereich sogar bis zu Blindheit auf einem Auge.

Die Fachärzt*innen der DGÄPC möchten zudem darauf hinweisen, dass sich auch vermeintlich leichtere Komplikationen wie Infektionen zu großen Problemen für die Betroffenen auswachsen können. Ebenfalls darf nicht unterschätzt werden, dass ästhetisch unschöne Ergebnisse eine große psychische Belastung darstellen.

Abgesehen davon, dass Faltenfiller und Füllstoffe grundsätzlich nicht in die Hände von Laien gehören, ist auch davon auszugehen, dass das verkaufte Medizinprodukt eventuell von minderwertiger Qualität ist. Seriöse Hersteller von Hyaluronsäure verkaufen in der Regel diese Produkte nicht an Laien. Händler und Plattformen, die solche Produkte anbieten, nehmen laut DGÄPC damit Fehlbehandlungen bis schwere Komplikationen billigend in Kauf.  (pm)

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